Porsche bestätigt Aus für Cellforce-Produktion
Die Zukunft des Cellforce-Standorts Kirchentellinsfurt hat in den vergangenen Tagen für viel Diskussionsstoff gesorgt. Jetzt bestätigt auch das Mutterunternehmen Porsche: Cellforce soll sich in Zukunft allein auf Forschung und Entwicklung konzentrieren.
Porsche wird nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall zahlreiche Mitarbeiter seiner Batterietochter Cellforce kündigen. Die Kündigungen sollen zum 30. November erfolgen, wie Kai Lamparter von der IG Metall Reutlingen-Tübingen mitteilte. Die entsprechenden Schreiben werden im Laufe der Woche per Post zugestellt. Diese Information wurde im Rahmen einer Betriebsversammlung bekanntgegeben.
Bereits in der vergangenen Woche hatte Porsche bei der zuständigen Arbeitsagentur eine Massenentlassung angezeigt. Nach Medienberichten sind etwa 200 der rund 280 Beschäftigten von Cellforce betroffen. Lamparter kritisierte das Vorgehen scharf: „Mitten in der Urlaubszeit sollen nahezu alle Beschäftigten rausgeschmissen und die Batteriezellfertigung in Kirchentellinsfurt beendet werden. Das ist kein guter Stil." Bislang lägen keine Informationen zu möglichen Abfindungen vor, die Mitarbeiter seien verärgert und sichtlich betroffen.
Die Linken-Bundestagsabgeordnete Anne Zerr sagte, wer kurzerhand ganze Werke einstampfe und mehr als zweihundert hart arbeitende Beschäftigte rausschmeiße, handle zutiefst verantwortungslos. Die übereilte Abwicklung dieser Massenkündigung hänge damit zusammen, dass Porsche den Betriebsratswahlen im September zuvorkommen wolle, so Zerr weiter.
Zukünftige Ausrichtung auf Forschung und Entwicklung
Porsche teilte mit, dass sich Cellforce künftig auf Forschung und Entwicklung konzentrieren soll. Die bisherigen Pläne zum Ausbau der Produktion von Hochleistungsbatterien würden nicht weiterverfolgt. Der damit verbundene Personalabbau solle sozialverträglich gestaltet werden. Konkrete Angaben zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter machte Porsche nicht. Bereits Ende April hatte die Volkswagen-Tochter mitgeteilt, dass Cellforce nicht eigenständig weitergeführt werde. Zuletzt suchte das Unternehmen nach Investoren.
Wirtschaftliche Gründe für den Kurswechsel
Michael Steiner, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Porsche, erklärte: „Leider hat sich der Markt für elektrische Fahrzeuge weltweit nicht so entwickelt wie ursprünglich angenommen. Die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert, und wir müssen darauf reagieren." Der Schritt werde bedauert, doch habe sich herausgestellt, dass das geplante Geschäftsmodell wirtschaftlich nicht tragfähig sei.
Ursprünglich war vorgesehen, die Produktion in Kirchentellinsfurt als Anlauffabrik zu starten und später einen zweiten, größeren Standort zu eröffnen. Diese Pläne gelten nun als unrealistisch. Cellforce habe zwar erfolgreich Hochleistungszellen entwickelt und eine Pilotfertigung aufgebaut, jedoch fehle aufgrund der weltweit geringen Nachfrage eine Möglichkeit zur Expansion.
Porsches Elektrooffensive stockt
Porsche hatte im Sommer 2021 den Einstieg in die Fertigung von Hochleistungsbatteriezellen angekündigt. Die Ansiedlung in Kirchentellinsfurt wurde mit Steuergeldern von Bund und Land gefördert, wobei ein Großteil der rund 56 Millionen Euro bereits ausgezahlt wurde. Ob Porsche diese Mittel zurückzahlen muss, ist bislang unklar.
Für Porsche stellt dieser Schritt eine einschneidende Entwicklung dar. Vorstandschef Oliver Blume, der auch den Volkswagen-Konzern leitet, wollte Porsche zum Vorreiter in der Elektromobilität mit eigener Batteriefertigung machen. Der Wandel zur E-Mobilität verläuft jedoch langsamer als erwartet. Medienberichten zufolge investiert Porsche nun auch wieder in neue Verbrennungsmotoren. Die Abschreibungen auf die Produktionsanlagen von Cellforce belaufen sich auf etwa 295 Millionen Euro.